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Europarat: ?ffentliche Anh?rung vom 26. Januar 2010 ?ber den Umgang von WHO und Impfstoffherstellern mit der H1N1 Pandemie: Ist mehr Transparenz notwendig ?

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    Re: Europarat: ?ffentliche Anh?rung vom 26. Januar 2010 ?ber den Umgang von WHO und Impfstoffherstellern mit der H1N1 Pandemie: Ist mehr Transparenz notwendig ?

    http://www.stern.de/gesundheit/schwe...n-1541954.html

    stern.de: 9. Februar 2010

    Schweinegrippe: "Eine Milliarde durch den Schornstein gepfiffen"

    Die Schweinegrippe ist vorbei und fast vergessen. Es gibt allerdings noch viel aufzuarbeiten, kritisiert der Epidemiologe Ulrich Keil. "Alle paar Jahre werden wir mit Epidemien ge?ngstigt", sagt er im stern.de-Interview. "Dabei sind die gro?en Killer andere."

    Zur Person: Ulrich Keil ist Medizinprofessor an der Universit?t M?nster und Leiter des dort angesiedelten "WHO Collaborating Centre for Epidemiology and Prevention of Cardiovascular and other Chronic Diseases". In einer Sitzung des Europarates kritisierte er das Vorgehen der WHO im Zusammenhang mit der Schweinegrippe scharf.




    Stern: Herr Keil, der Hype um die Schweinegrippe ist vorbei. K?nnen wir die Sache nun abhaken?

    Nein. Bei dieser Geschichte gibt es noch viel aufzuarbeiten. Die Anh?rung im Europarat war ein erster richtiger Schritt, doch es m?ssen noch weitere auch auf nationaler Ebene folgen.

    Stern: Sie haben auf einer Sitzung des Europarates zum Thema Schweinegrippe der WHO vorgeworfen, die Angst vor H1N1 gesch?rt zu haben. Warum?

    Alle paar Jahre werden wir mit Epidemien ge?ngstigt. 2002/03 war es Sars, 2005/06 kam die Vogelgrippe. Jedesmal wurden gro?e Angstkampagnen inszeniert. Bis jetzt waren das alles regionale Epidemien, die sich nur sehr begrenzt ausgebreitet haben. Weltweit erkrankten an der Vogelgrippe nur etwa 350 Menschen. Dennoch diente sie als Modell einer Pandemie. Auch bei der Schweinegrippe haben Virologen schnell Angst verbreitet, da das Virus in seiner Gef?hrlichkeit dem der Spanischen Grippe ?hnlich sei. Der Vergleich war allerdings falsch. Damals war es eine g?nzlich andere Situation. Das Virus traf auf eine durch den ersten Weltkrieg geschw?chte, unterern?hrte Bev?lkerung. Seit 1840 nimmt die Lebenserwartung in der westlichen Welt pro Dekade um zweieinhalb Jahre zu. Die letzte gro?e Grippeepidemie in Deutschland, die sich auf die Lebenserwartung ausgewirkt hat, war 1968.

    Stern: Hei?t das, als gut ern?hrte und versorgte Menschen in der westlichen Welt m?ssen wir uns vor einem Pandemie-Virus gar nicht f?rchten?

    Dass uns nie wieder eine schwere Pandemie treffen wird, kann nat?rlich niemand vorhersagen. Wichtig ist aber, die gr??eren Abwehrkr?fte der Menschen, sprich ihre Resistenz zu beachten. Die gro?en Killer sind in Wahrheit heute andere: chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes oder ungesundes Verhalten, wie falsche Ern?hrung, Rauchen oder zu wenig Bewegung. ?rgerlich ist ja: An allen Ecken und Enden fehlt uns Geld im Gesundheitssystem und dann wird bei der Schweinegrippe eine Milliarde oder mehr durch den Schornstein gepfiffen.

    Stern: Wer hat falsch gehandelt?

    Die WHO und die nationalen Institutionen h?tte umschwenken m?ssen, als klar war, dass die Grippe auf der s?dlichen Hemisph?re im Winter einen milden Verlauf nimmt. Das war ein deutliches Zeichen, dass keine Killerpandemie droht. Stattdessen hatte man schon zuvor die Definition der Pandemie ge?ndert. Nicht mehr der Schweregrad sondern allein die Verbreitung eines Virus z?hlt nun. Ketzerisch gefragt: Wird die WHO dann im kommenden Jahr auch Schnupfen zur Pandemie erkl?ren und dagegen impfen wollen?

    Stern: Was hat die Ausrufung der Pandemie f?r die Vertr?ge bedeutet, die zwischen den Regierungen und der Pharmaindustrie schon bestanden?

    Ganz einfach: Die Ausrufung der Stufe sechs des Pandemieplanes durch die WHO hat die zwischen Regierungen und Pharmaindustrie bestehenden Vertr?ge in Kraft gesetzt. Die Impfkampagne konnte anlaufen.

    Stern: Warum hat die WHO so gehandelt?

    Ich will die WHO nicht verunglimpfen, denn sie hat gro?e Verdienste, zum Beispiel bei der Ausrottung der Pocken oder der fast vollst?ndigen Ausrottung der Kinderl?hmung. Bei der Schweinegrippe glaube ich, dass sie unter Druck gesetzt wurde. Ich kenne die WHO seit 1973. Viele leitende Stellen waren damals mit Leuten aus dem ehemaligen Ostblock besetzt, die von der Industrie nichts wissen wollten. Bis 1990 war die Organisation von Industrieinteressen daher fast vollkommen frei. Danach erfolgte eine starke ?ffnung hin zur Industrie.

    Stern: Bleiben die Alarmstufe und die Pandemiedefinition eigentlich jetzt so bestehen?

    Das wurde in Stra?burg debattiert. Die WHO hat in dieser Hinsicht bis jetzt nichts zur?ckgenommen - weder bei der Pandemiedefinition noch bei der Alarmstufe. Letztere soll noch zwei Jahre bestehen bleiben. Ich bin der Meinung, dass man den Pandemiealarm schon l?ngst h?tte zur?ckstufen m?ssen. Alles andere ist absurd.

    Schweinegrippe in Deutschland Dem Robert-Koch-Institut zufolge sind mittlerweile ungef?hr 220.000 F?lle von Schweinegrippe in Deutschland bekannt, 186 Neuerkrankungen kamen in der vierten Kalenderwoche 2010 dazu. Der Anstieg ist damit modert. Insgesamt wurden 216 Todesf?lle im Zusammenhang mit H1N1 gemeldet. Bis Jahresende lie?en sich laut Paul-Ehrlich-Institut 7,5 Prozent der Bev?lkerung ?lter als 14 Jahre gegen H1N1 impfen. F?r 30 Prozent hatten die deutschen Beh?rden Impfstoff eingekauft.

    Stern: Wie h?tte die WHO reagieren m?ssen, nachdem erkennbar war, dass die Schweinegrippe in den meisten F?llen mild verl?uft?

    Vor allem h?tte man in die urspr?nglichen Pandemiepl?ne Kontrollmechanismen einbauen m?ssen, die garantiert h?tten, dass bei einem milden Verlauf der Erkrankung Alarmstufen zur?ckgefahren worden w?ren. Den Verlauf zu beobachten und die Gefahr abzusch?tzen, ist auch die Aufgabe guter Infektionsepidemiologen und der Landesbeh?rden. Sie h?tten eingestehen m?ssen: Wir haben ?bertrieben, es verl?uft nicht so schlimm, eine riesige Impfkampagne brauchen wir nicht.

    Stern: Was hat die Aktion den deutschen Steuerzahler gekostet?

    Die Steuerzahler beziehungsweise die gesetzliche Krankenversicherung mindestens eine Milliarde. Aus meiner Sicht sogar mehr. In Stra?burg wurde auch besprochen, dass die Industrie insgesamt f?r Entwicklung und Herstellung der Impfstoffe vier Milliarden ausgegeben und wohl 18 Milliarden Umsatz weltweit gemacht hat.

    Stern: Warum hat man sich in Deutschland auf diese Vertr?ge ?berhaupt eingelassen?

    Es ist hart zu sagen, aber in den Ministerien war teilweise zu wenig Sachverstand am Werk. Das waren Knebelvertr?ge, die Industrie hat den Staat dabei ?ber den Tisch gezogen. Vertraglich war zugesichert, dass 50 Millionen Dosen abgenommen werden m?ssen, f?r die Nebenwirkungen und eventuelle Risiken bestand allerdings keine Haftung. Nun wird gener?s gesagt, dass die L?nder nur Impfstoffe f?r 34 Millionen kaufen m?ssen. Im Prinzip hat sich die Industrie trotzdem schadlos gehalten.

    Stern: Allerdings braucht man die Industrie ja auch.

    Ja. Als Gegner der Tabakindustrie habe ich immer gesagt, dass diese Industrie etwas anderes ist als die pharmazeutische Industrie. Die Tabakindustrie produziert ein Produkt, das in jeder Menge die Menschen sch?digt. Die Pharmaindustrie macht auch viel Gutes, wir brauchen sie und sie ist eine S?ule unseres Gesundheitswesens. Die Impfstoffproduktion in staatliche Hand zur?ckzugeben, ist kaum m?glich. Fachleute bef?rchten nicht zu Unrecht, dass dann auch die Innovation auf der Strecke bliebe. Allerdings muss die Pharmaindustrie strengeren Regeln unterworfen werden. Es ist zum Beispiel ein Skandal, dass diese Industrie ein Vielfaches ihres Forschungsetats in Werbung und Marketing steckt.

    Stern: Wer soll die Industrie denn an die Kandare nehmen?

    Die gro?e Schwierigkeit auf diesem Gebiet ist es, unabh?ngige Gutachter zu bekommen. Von Studentenbeinen an ist in der Medizin der Einfluss der pharmazeutischen Industrie und der Ger?teindustrie unverkennbar. Daher sind unabh?ngige Institutionen wie das Institut f?r Qualit?t und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen so wichtig. Es ist allerdings zu bef?rchten, dass dessen Stand unter der neuen Regierung nicht gerade gest?rkt wird. Problematisch ist bei der Schweinegrippe leider auch die Arroganz mancher Fachleute. Man argumentiert, dass es so kompliziert ist, dass die lieben Leute es gar nicht verstehen k?nnen.

    Stern: Aber die lieben Leute haben mit den F??en abgestimmt.

    Ja. Die Bev?lkerung hat sich zum Gl?ck nicht t?uschen lassen. Die Leute haben gemerkt, dass es sich bei der Schweinegrippe um keine gravierende Krankheit handelt. Es ist ja auch falsch, die Menschen f?r dumm zu verkaufen. Es ist Aufgabe von Wissenschaftlern, die Fakten auch Laien verst?ndlich und ohne Interessenkonflikte darzustellen.

    Stern: Dann erkl?ren Sie doch bitte, ob die beschworene gef?hrliche Mutation des H1N1-Virus noch droht?

    Das sehe ich nicht. Eine so gravierende Mutation erfolgt ja nicht auf einen Schlag, das geht in mehreren Stufen. Ansonsten w?rde das auch bedeuten, dass sie mit einem Mal mit dem alten Impfstoff nichts mehr anfangen k?nnen. Das bestreiten aber Institutionen wie das Robert-Koch- oder das Paul-Ehrlich-Institut. Gleichzeitig verweisen sie gerade auf die gef?hrliche Mutation als Grund f?r die Pandemieimpfung. Da muss man die Logik einmal hinterfragen. F?r mich sieht es jedenfalls so aus, als ob wir die Schweinegrippe ?berstanden haben. Auf der s?dlichen Hemisph?re ist sie sehr mild verlaufen und auch bisher nicht in einer zweiten Welle wiedergekommen.


    [Stern-] Interview: Lea Wolz

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    Re: Europarat: ?ffentliche Anh?rung vom 26. Januar 2010 ?ber den Umgang von WHO und Impfstoffherstellern mit der H1N1 Pandemie: Ist mehr Transparenz notwendig ?

    http://www.zeit.de/wissen/gesundheit...arat-kommentar

    Zeit online: 27.1.2010 SCHWEINEGRIPPE

    Die Stunde der Opportunisten

    Hinterher ist man stets schlauer: Politiker und Experten werfen den Beh?rden bei der Schweinegrippe-Bek?mpfung Panikmache vor. Das ist heuchlerisch, meint Sven Stockrahm.

    Es ist der Feldzug eines Mannes, von dem bis vor Kurzem kaum jemand Notiz genommen hat. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete und SPD-Politiker Wolfgang Wodarg vermutet, dass die Pharmaindustrie die Weltgesundheitsorganisation WHO beeinflusste, um die als Schweinegrippe bekannt gewordene Influenza A/H1N1 zu einer Pandemie zu stilisieren. "Es stinkt danach, dass die Industrie Einfluss auf die WHO genommen hat", sagte Wodarg der Tageszeitung (taz). Er spricht von einem Schweinegrippe-"Fehlalarm" und einer seit Jahren von offizieller Stelle heraufbeschw?rten "Grippegefahr".

    Die gestrige Anh?rung im Europarat, an der auch der WHO-Vizegeneraldirektor Keiji Fukuda teilnahm, konnte diese Anschuldigungen nicht belegen. Initiiert hatte die Runde Wodarg noch in seiner Funktion als Leiter des Gesundheitsausschusses der parlamentarischen Versammlung des Europarats.

    Die Argumente, die der Politiker vorbringt, sind opportunistisch.
    Es sind Schlussfolgerungen, die nicht neu sind. Nachdem die Vogelgrippe 2006 ihren Schrecken schnell eingeb??t hatte, wurden Vorw?rfe laut, dass umsonst Millionenbetr?ge in Grippe-Medikamente und Impfstoffentwicklung gesteckt wurden.

    Doch ist es gut und richtig, sich auf ein potenziell gef?hrliches Virus vorzubereiten. Dazu geh?ren Impfstoffvorr?te ebenso wie antivirale Medikamente. Daran ?ndern auch schlecht ausgehandelte Vertr?ge zwischen Herstellern und Bundesl?ndern nichts, in denen bestimmte Mengenabnahmen vereinbart wurden. Die Einlagerung muss als Versicherung verstanden werden.

    Auch jetzt hei?t es, nachdem die Schweinegrippe vielerorts abebbt, dass die Verantwortlichen bei der WHO voreilig und panisch agiert h?tten. Eine unn?tze Impfaktion habe man aus dem Boden gestampft, die letztlich nur der Pharmaindustrie nutzte. Die verdiente schlie?lich mit dem Impfstoff gegen das H1N1-Virus Milliarden.

    Im Nachhinein l?sst sich all dies nat?rlich wunderbar konstruieren. Zwar ist es richtig, dass die Impfstoff- und Medikamentenhersteller ein gutes Gesch?ft gemacht haben. Und auch ZEIT ONLINE hat ?ber die zweifelhaften Kriterien der WHO berichtet, die eine Infektionskrankheit zur Pandemie, also einer weltumspannenden Gefahr erkl?ren. Doch eine Panikmache ist den Verantwortlichen nicht vorzuwerfen, geschweige denn, dass sie mit den Pharmakonzernen unter einer Decke stecken.

    Solche Beschuldigungen kommen stets von denjenigen, die nach dem Auftauchen eines neuen Virus beschwichtigen. Doch nachtr?gliche Betrachtungen helfen herzlich wenig, wenn ein Erreger sich ausbreitet. In Deutschland reagierte das zust?ndige Robert-Koch-Institut (RKI) und insbesondere der Leiter J?rg Hacker mit Vorsicht und Transparenz. Ihnen nun im Abstand von ein paar Monaten falsches Handeln zu unterstellen ist heuchlerisch. Nicht zuletzt das RKI hat stets betont, dass der Verlauf der Schweinegrippe milde ist, eine gef?hrlichere Entwicklung des neuen Erregers aber nicht auszuschlie?en sei. Das liegt in der Natur der Keime, deren Wandlungsf?higkeit sie unberechenbar macht.

    H?tte sich die Welt nicht mit Impfstoff gewappnet und die Schweinegrippe h?tte sich als nicht so milde im Verlauf gezeigt wie bislang, st?nde nun der Vorwurf der Fahrl?ssigkeit im Raum. So bestellten die Bundesl?nder auch keine Vakzine f?r die gesamte Bev?lkerung, sondern entschlossen sich vorerst, nur das gef?hrdetste Drittel der Bev?lkerung zu sch?tzen. Das letztlich eine Impfdosis pro Person gegen das H1N1-Virus ausreichte, war nicht abzusehen.

    Sich nun wie Wolfgang Wodarg hinzustellen und zu urteilen ist einfach. Wenngleich es berechtigt ist, das Grippemanagement kritisch zu hinterfragen und daraus Lehren f?r die Zukunft zu ziehen. Doch Besserwisserei und blanke Polemik haben einer sachlichen Diskussion noch nie geholfen.



    http://www.fr-online.de/in_und_ausla...anikmache.html

    Frankfurter Rundschau fr-online.de: 28.01.2010

    Schweinegrippe

    "Das war keine Panikmache"


    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat richtig reagiert, als sie im Fall der Schweinegrippe eine Pandemie ausrief. Dieser Meinung ist der Chef der Infektionsgenetik am Helmholtz-Zentrum, Klaus Schughart.

    Herr Professor Schughart, sind Sie wie der Europarat der Ansicht, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Gefahr durch die Schweinegrippe aufgebauscht hat?

    Ich finde nicht, dass man der WHO Panikmache vorwerfen kann. Als das neue Virus im April in Mexiko auftauchte und die ersten Menschen starben, gab es zun?chst allen Grund zur Besorgnis. Erst sp?ter hat man erkannt, dass es sich nicht um einen neuen - und damit besonders gef?hrlichen - Subtyp eines Influenza-Virus handelt, sondern um eine neue H1N1-Variante, die dem Erreger der saisonalen Grippe ?hnelt.

    Was ist der Unterschied zwischen einem neuen Subtyp und einer neuen Variante von H1N1?

    Das Vogelgrippevirus H5N1 beispielsweise ist ein neuer Subtyp. Es tr?gt eine Kombination der beiden Proteine H?magglutinin, kurz H, und Neuraminidase, kurz N, die zuvor nicht im Menschen aufgetreten war. Solche neuen Subtypen k?nnen, wenn sie von Mensch zu Mensch ?bertragbar sind, immer eine schwere Pandemie verursachen. Beim Vogelgrippevirus ist das zum Gl?ck bisher nicht der Fall, da es nur direkt vom Vogel auf den Menschen ?bertragen werden kann. Das Schweinegrippevirus, das sich jetzt von Mensch zu Mensch ausbreitet, ist hingegen ebenso wie der Erreger der saisonalen Grippe ein Virus vom Subtyp H1N1.

    Trotzdem stellte sich heraus, dass praktisch kaum ein Mensch gegen die Schweinegrippe immun war.

    Das lag daran, dass die Proteine H?magglutinin und Neuraminidase beim Schweinegrippe-Virus zwar vom Typ H1 und N1, aber dennoch so ver?ndert sind, dass eine Impfung gegen die saisonale Grippe keinen Schutz bietet. Insofern w?re es unverantwortlich gewesen, keinen Impfstoff gegen die Schweinegrippe zu entwickeln.

    Aber zeigte sich nicht schon im Mai in den USA, dass die Krankheit in den meisten F?llen glimpflich verlief?

    Es war damals in der Tat zu beobachten, dass die neue Grippe f?r den Einzelnen l?ngst nicht so gef?hrlich ist wie die Vogelgrippe, an der im Schnitt jeder zweite Infizierte stirbt. Da es in der Bev?lkerung aber keinen Immunschutz gegen den Erreger der Schweinegrippe gibt, kann sich die Krankheit viel leichter ausbreiten als die saisonale Grippe. Insofern war auch mit einer gr??eren Anzahl von Toten zu rechnen. Man muss immer unterscheiden zwischen der Gef?hrlichkeit eines Erregers f?r den Einzelnen und f?r die Gesamtbev?lkerung.

    Die rasche Verbreitung veranlasste die WHO im Juni, die Schweinegrippe zur Pandemie zu erkl?ren. H?tte man daf?r die Gef?hrlichkeit des Erregers f?r den Einzelnen nicht st?rker in Betracht ziehen m?ssen?

    Dar?ber kann und sollte man sicherlich diskutieren. Denn mit dem Ausruf der h?chsten Pandemiestufe wurden Pandemiepl?ne aktiviert, die auf das Auftreten eines neuen Subtyps ausgerichtet waren - und nicht auf eine neue H1N1-Variante.

    Was h?tte man anders machen k?nnen?

    Ich denke, in diesem Fall hat man durchaus richtig reagiert. Die Regierungen sind ja in der Pflicht gewesen, ihre Bev?lkerung zu sch?tzen. Und ein Impfstoff bietet einfach den besten Schutz vor der Schweinegrippe. Doch f?r die Zukunft sollte das Sechs-Stufen-System der WHO vielleicht ?berdacht werden. Oder man m?sste f?r die sechste Stufe einen weiteren Pandemieplan erstellen, der speziell auf die Verbreitung neuer Virenvarianten ausgerichtet ist. Aber eigentlich ist es f?r eine Bewertung der Situation noch zu fr?h; wir sollten das Ende der Grippesaison abwarten.

    Die Erkrankungszahlen sind jetzt schon r?ckl?ufig.

    Das kann sich bis M?rz auch noch mal ?ndern. Au?erdem sollten wir eines nicht vergessen: Die Schweinegrippe ist bisher zwar glimpflicher verlaufen als bef?rchtet, eine harmlose Erkrankung ist sie deswegen aber noch lange nicht. Immerhin sind viele Menschen an ihr gestorben. Und das gesundheitliche Risiko einer Schweinegrippe-Erkrankung ist betr?chtlich h?her als das einer Impfung. Es scheint jedoch, als sei in den K?pfen vieler Menschen das Gegenteil h?ngen geblieben.

    Was macht ausgerechnet Grippeviren so gef?hrlich? K?nnte die n?chste Pandemie nicht auch durch ein ganz anderes Virus hervorgerufen werden?


    Sie k?nnte es, ja. Das hat uns das Beispiel Sars gezeigt. Bei Grippeviren gibt es aber ein riesiges Reservoir in der Tierwelt. Und daraus k?nnen immer wieder neue Subtypen hervorgehen. Wir kennen derzeit 16 H?magglutinin- und neun Neuraminidase-Varianten, aus denen zumindest theoretisch 144 Kombinationen entstehen k?nnen. Sehr viele dieser Kombinationen sind bei V?geln bereits entdeckt worden.

    Interview: Anke Brodmerkel


    Zur Person
    Professor Klaus Schughart hat Biologie in Kaiserslautern und K?ln studiert und leitet seit 2006 die Abteilung Infektionsgenetik am Helmholtz-Zentrum f?r Infektionsforschung in Braunschweig. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Schughart zufolge richtig reagiert, als sie im Fall der Schweinegrippe eine Pandemie ausrief. Dennoch m?sse man das sechsstufige Pandemie-Warnsystem ?berdenken, sagt er.

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  • Europarat: ?ffentliche Anh?rung vom 26. Januar 2010 ?ber den Umgang von WHO und Impfstoffherstellern mit der H1N1 Pandemie: Ist mehr Transparenz notwendig ?

    Die Videoaufzeichnung der ?ffentlichen Anh?rung und der Pressekonferenz sowie die Stellungnahmen und Schrifts?tze der Teilnehmer (alles in Englisch) finden sich unter der offiziellen website des Europarates:

    http://assembly.coe.int/ASP/NewsMana...ew.asp?ID=5209

    Und das sind einige Pressestimmen dazu:


    http://www.tagesspiegel.de/politik/i...art123,3013333

    tagesspiegel.de:

    DIAGNOSE: FEHLALARM

    Experten: Schweinegrippe wurde unn?tig zur Pandemie erkl?rt

    F?r Ulrich Keil ist die Sache klar. Der weltweit bekannte Epidemiologe von der Universit?t M?nster wirft der UN-Weltgesundheitsorganisation WHO vor, die Erdbev?lkerung im vergangenen Jahrzehnt durch ?Angstkampagnen? stark verunsichert zu haben. Erst kam die Infektionskrankheit Sars, dann die Vogelgrippe und jetzt die Schweinegrippe.

    Von Albrecht Meier, Strassburg

    26.1.2010 20:49 Uhr

    ?Es werden unglaubliche Mengen an Geld verschwendet in Pandemien, die eigentlich gar keine sind?, lautet das n?chterne Urteil, das Keil bei der Anh?rung des Europarates abgibt. Auf dem Pr?fstand steht dort die WHO, die im vergangenen Jahr die h?chste Pandemiestufe f?r die Schweinegrippe ausgerufen und damit eine weltweite Impfaktion ausgel?st hatte. Sie wurde f?r die Pharmaindustrie zum Milliardengesch?ft.

    Der M?nsteraner Medizinprofessor Keil ber?t die WHO seit 1973 ? was ihn am Dienstag aber nicht daran hindert, bei der Anh?rung in Stra?burg wenig schmeichelhaft ?ber die Genfer UN-Organisation zu reden. Der Gesundheitsausschuss der parlamentarischen Versammlung des Europarates will wissen, ob die WHO beim Umgang mit dem H1N1-Virus, das f?r die Schweinegrippe verantwortlich ist, auch wirklich ausreichend Transparenz an den Tag gelegt hat. Besonders umstritten ist die Entscheidung der WHO-Generaldirektorin Margaret Chan, die Schweinegrippe im vergangenen Juni zur Pandemie zu erkl?ren. Weltweit traten anschlie?end die nationalen Pandemiepl?ne in Kraft, in Deutschland wurden 50 Millionen Impfdosen bestellt. Keil sagt im R?ckblick: ?Interessanterweise gab es da schon verbindliche Vertr?ge mit Glaxo Smith Kline?, einem der Impfstoffhersteller. Bereits in den Jahren 2006 und 2007, sagt auch der Flensburger Arzt und Epidemiologe Wolfgang Wodarg, h?tten die Staaten und die Pharmaindustrie vertragliche Festlegungen getroffen, ?die Firmen warteten praktisch nur auf dieses Gesch?ft?.

    Inzwischen hat sich das H1N1-Virus als relativ harmlos erwiesen, zumindest im Vergleich zu den ?blichen saisonalen Grippeerkrankungen. Dennoch verteidigt WHO-Vizegeneraldirektor Keiji Fukuda die Vorsichtsma?nahmen: Das Virus, sagt der WHO-Grippeexperte, habe besonders bei jungen Menschen zu schweren Erkrankungen und Todesf?llen gef?hrt ? ein Muster, das bei der ?blichen saisonalen Grippe nicht auftrete. ?Die Pandemie ist nicht vorbei?, sagt Fukuda.

    In den Augen von Wolfgang Wodarg, der bislang den Gesundheitsausschuss der Parlamentsversammlung des Europarates geleitet und der die Anh?rung vor den Parlamentariern initiiert hat, stellen sich trotzdem schwerwiegende Fragen zum WHO-Pandemiealarm. W?hrend eine Pandemie nach der urspr?nglichen WHO-Definition durch ?berdurchschnittlich hohe Erkrankungs- und Sterberaten gekennzeichnet gewesen sei, habe die Weltgesundheitsorganisation die Kriterien im Mai vergangenen Jahres ge?ndert, sagt er. Erst damit sei es m?glich geworden, eine ?stinknormale Grippe zu einer Pandemie hochzustilisieren?. In der Folge seien ?Millionen von Menschen unn?tigerweise geimpft worden?.

    Der SPD-Politiker Wodarg kritisiert zudem, dass auch deutsche Gesundheitsbeh?rden sich an der Panikmache zur Schweinegrippe beteiligt h?tten. Obwohl angesichts der Ausbreitung der Grippe auf der s?dlichen Erdhalbkugel schon ab Oktober 2009 klar gewesen sei, dass sie einen recht harmlosen Verlauf nehme, h?tten das Robert-Koch-Institut und das Paul-Ehrlich-Institut ?wider besseres Wissen den Leuten gesagt, es k?nnte noch eine zweite Welle geben?, sagt Wodarg dem Tagesspiegel.

    F?r den Verdacht Wodargs, dass die Weltgesundheitsorganisation bei der Hochstufung der Schweinegrippe zur Pandemie auf Druck der Pharmaindustrie gehandelt haben k?nnte, gibt es nach den Angaben des WHO-Sonderberaters Fukuda keine Indizien. Es gebe keinen unberechtigten Einfluss der Forschungsabteilungen der Pharmakonzerne auf seine Organisation, sagt er. Angesichts der Frage, ob die WHO mehr Transparenz zeigen m?sse, um das Vertrauen der Bev?lkerung zu erhalten, gibt er aber zu: ? Nat?rlich k?nnen wir die Dinge verbessern.?

    Den Vorwurf, Pharmakonzerne h?tten Gesundheitspolitiker aus Gr?nden der Profitmaximierung bei ihren Entscheidungen zur Schweinegrippe beeinflusst, will auch Luc Hessel vom Europ?ischen Verband der Impfstoffhersteller nicht im Raum stehen lassen. Die Hersteller h?tten auf eigenes Risiko investiert, sagt der Franzose. ?Es war ?berhaupt nicht klar, wann ein ,return on investment? erfolgen wird? ? also ein R?ckfluss der Investitionen.




    http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=39806

    Deutsches ?rzteblatt: Dienstag, 26. Januar 2010

    WHO wegen Strategie bei Schweinegrippe unter Druck

    Stra?burg ? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ger?t wegen ihres Umgangs mit der Schweinegrippe zunehmend in die Kritik. Im Europarat warfen Experten und Abgeordnete der Organisation am Dienstag vor, die Schweinegrippe voreilig zur Pandemie erkl?rt zu haben. Der Berater f?r Grippepandemien der WHO, Keiji Fukuda, wies die Kritik zur?ck.


    Die WHO habe rasch handeln m?ssen, um zahlreiche Grippetote zu vermeiden, sagte Fukuda in Stra?burg bei einer Anh?rung der Parlamentarier-Versammlung des Europarats. Vorw?rfe, wonach die Pharmaindustrie die Entscheidungen der WHO in Sachen Schweinegrippe beeinflusste, wies er zur?ck. Die von der WHO herangezogenen Experten h?tten die Organisation ?neutral und unparteiisch? beraten, Interessenskonflikte habe es nicht gegeben. Auf hartn?ckiges Nachfragen von Abgeordneten r?umte der Japaner allerdings ein, dass ?einzelne Personen? m?glicherweise Interessenskonflikte verschwiegen haben.

    Luc Hessel von der europ?ischen Vereinigung der Impfstoffhersteller best?tigte, dass es bereits vor Ausrufung der Pandemie durch die WHO im Juni Vertr?ge zwischen einzelnen Regierungen und Pharma-Unternehmen f?r den Aufkauf von Impfstoffen gab. Wenn eine Pandemie ausbreche, m?sse sehr schnell gehandelt werden, betonte der Franzose, der beim US-franz?sischen Impfstoffhersteller Sanofi-Pasteur-MSD arbeitet. ?Dann gibt es keine Zeit mehr f?r Verhandlungen?.

    Nach Angaben des Medizinprofessors Ulrich Keil von der Universit?t M?nster nahm die WHO die vor einigen Jahren ausgebrochene Vogelgrippe zum Anlass, die Pandemiedefinition zu ?ndern. Durch die Vogelgrippe seien aber weltweit nur 350 Todesopfer gez?hlt worden, in Deutschland sei kein einziger Mensch daran gestorben. Dennoch habe die WHO sie zum Modell f?r ihre neue Pandemiestrategie genommen. Die Organisation habe die ?Angst vor der Schweinegrippe gesch?rt?, viele Regierungen h?tten daraufhin massenweise Impfstoff bestellt.
    Allein in Deutschland seien 50 Millionen Dosen gekauft worden, sagte Keil, der an der Universit?t M?nster das Zentrum f?r die Zusammenarbeit mit der WHO beim Kampf gegen Epidemien leitet. Die Folge sei eine ?gigantische Verschwendung von Geldern?, die f?r die Bek?mpfung anderer Krankheiten, etwa Krebs, dringend gebraucht w?rden.

    Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und Arzt Wolfgang Wodarg kritisierte vor allem, dass die Definition f?r eine Pandemie von der WHO im vergangenen Mai ge?ndert wurde. Ausschlaggebend sei nun nur noch, dass sich ein neues Virus sehr rasch ausbreite, erl?uterte Wodarg, der bis vor kurzem im Europarat den Gesundheitsausschuss der Parlamentarierversammlung leitete. Die Schwere einer Krankheit spiele hingegen keine Rolle mehr. So sei die vergleichsweise harmlose Schweinegrippe zur Pandemie ?hochgespielt? worden. Millionen von Menschen, darunter viele Kinder, seien mit unzureichend getesteten Stoffen geimpft worden.
    Die Gr?nen im Europaparlament forderten einen Untersuchungsausschuss. M?gliche Interessenskonflikte m?ssten ans Tageslicht gebracht werden, sagte die franz?sische Abgeordnete Mich?le Rivasi. Dabei gehe es beispielsweise um Kontakte zwischen der Europ?ischen Arzneimittelagentur (EMEA) und der Pharmaindustrie.

    http://www.nzz.ch/nachrichten/intern...1.4641024.html

    26. Januar 2010, 15:57, NZZ Online

    Im Umgang mit der Schweinegrippe versagt
    Weltgesundheitsorganisation muss sich heftige Kritik aus Europa anh?ren


    Weltgesundheitsorganisation muss sich heftige Kritik aus Europa anh?ren

    Europa kritisiert das Vorgehen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Fall der Schweinegrippe. Experten und Abgeordnete des Europarats warfen der WHO an einer Anh?rung vor, die Schweinegrippe voreilig zur Pandemie erkl?rt zu haben.

    chs./(sda/afp/dpa) Die Schweinegrippe ist viel weniger stark ausgefallen als bef?rchtet und von den Beh?rden der meisten L?nder dargestellt. In ihrer Einsch?tzung der Lage st?tzten sie sich haupts?chlich auf die Weltgesundheitsorganisation WHO ab.

    Entsprechend ger?t diese nun zusehends unter Druck. Weil sie die Krankheit sehr schnell als Pandemie bezeichnet habe, seien unn?tig ?ngste gesch?rt worden. Bei Regierungen und Medien habe dies zu ?hysterischen Reaktionen?, sagte Medizinprofessor Ulrich Keil von der Universit?t M?nster bei der Anh?rung im Europarat.

    WHO nicht zu pharmanah
    Der Berater f?r Grippe-Pandemien der WHO, Keiji Fukuda, wies die Kritik entschieden zur?ck. Die WHO habe rasch handeln m?ssen, um zahlreiche Grippetote zu vermeiden. Fukuda wollte auch Vorw?rfe nicht gelten lassen, wonach die Pharmaindustrie die Entscheidungen der WHO in Sachen Schweinegrippe beeinflusst habe. Die von der WHO herangezogenen Experten h?tten die Organisation ?neutral und unparteiisch? beraten; Interessenskonflikte habe es nicht gegeben, sagte er im Gesundheitsausschuss der Parlamentarier- Versammlung des Europarats.
    Interessenkonflikte verschwiegen
    Auf hartn?ckiges Nachfragen von Abgeordneten r?umte der Japaner allerdings ein, dass ?einzelne Personen? m?glicherweise Interessenkonflikte verschwiegen haben.

    Der Franzose Luc Hessel von der europ?ischen Vereinigung der Impfstoffhersteller best?tigte, dass es bereits vor Ausrufung der Pandemie durch die WHO im Juni Vertr?ge zwischen einzelnen Regierungen und Pharma-Unternehmen f?r den Aufkauf von Impfstoffen gab. Wenn eine Pandemie ausbreche, m?sse sehr schnell gehandelt werden. ?Dann gibt es keine Zeit mehr f?r Verhandlungen?, begr?ndete er das Vorgehen.
    Pandemie neu definiert

    Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und Arzt Wolfgang Wodarg kritisierte vor allem, dass die Definition f?r eine Pandemie von der WHO im vergangenen Mai ge?ndert wurde. Ausschlaggebend sei nun nur noch, dass sich ein neues Virus sehr rasch ausbreite.
    Die Schwere einer Krankheit spiele dagegen keine Rolle mehr. So sei die vergleichsweise harmlose Schweinegrippe zur Pandemie ?hochgespielt? worden. Millionen von Menschen, darunter viele Kinder, seien mit unzureichend getesteten Stoffen geimpft worden.

    Die Anh?rung im Europarat kam durch die Initiative Wodargs zustande. Der deutsche Arzt wirft der WHO vor, sie h?tte ihre Unabh?ngigkeit im Umgang mit den Pharmakonzernen aufgegeben. Der Europarat ist eine 47 Staaten umfassende europ?ische Internationale Organisation. Er dient als Forum f?r Debatten ?ber allgemeine europ?ische Fragen.






    http://www.tagesschau.de/ausland/schweinegrippe730.html

    tagesschau.de: 26.01.2010 19:54 Uhr

    Anh?rung der Verantwortlichen im Europarat
    Schweinegrippe - ein gro?er Bluff?


    Gro? war die Sorge, als die WHO die Schweinegrippe zur Pandemie erkl?rte. Riesige Mengen Impfstoff wurden produziert. Doch bislang starben weit weniger Menschen als sonst in der Grippezeit. Der Europarat ging nun dem Verdacht nach, dass es ein enges Zusammenspiel zwischen WHO und Pharmaindustrie gab.

    Von Martin Durm, ARD-H?rfunkstudio Stra?burg

    Luc Hessel, der Vertreter der europ?ischen Pharmaindustrie, sitzt vorne rechts auf dem Podium und direkt neben ihm Keiji Fukuda, der Verantwortliche der WHO. Beide sind hochrangige Fachleute, beide promoviert, konferenz- und kongresserfahren.

    Aber hier, bei der Anh?rung im Europarat, wirken sie mit einem mal wie zwei M?nner auf der Anklagebank. Sie wurden gerade von Mitgliedern des Gesundheitsausschusses befragt. Wieso war es m?glich, wegen eines offenkundig harmlosen Grippevirus die Weltbev?lkerung in die gr??te Impfkampagne aller Zeiten zu schicken? "Wir machten nur, was man von uns verlangte", sagte der Vertreter der europ?ischen Pharmakonzerne. "Es ist unm?glich vorauszusehen, wie sich eine Pandemie entwickelt", sagte der WHO-Vertreter.

    50 Millionen Impfstoffampullen - wozu?
    Vor einigen Monaten klang das alles noch anders. Da hatten die Weltgesundheitsexperten vor Zehntausenden, Hunderttausenden potentiellen H1N1-Opfern gewarnt und im Juni 2009 die Pandemie ausgerufen. Journalisten und Politiker verfielen daraufhin einer globalen grippalen Hysterie, die in Deutschland dazu f?hrte, dass die Bundesregierung angesichts einer ver?ngstigten ?ffentlichkeit 50 Millionen Impfstoffampullen bestellte.
    Enges Zusammenspiel zwischen WHO und Pharmaindustrie
    "Wir reagierten v?llig transparent auf das, was die politischen Entscheidungstr?ger von uns verlangten", wiederholt der Vertreter der europ?ischen Pharmakonzerne. Wobei auch er bei dieser Anh?rung nicht abstreiten kann, dass die Pharmaindustrie vom Pandemie-Alarm der WHO profitierte.

    Das ist es denn auch, was den SPD-Gesundheitsexperten Wolfgang Wodarg dazu veranlasst, von einer gewissen Verflechtung zwischen WHO und Pharmakonzernen zu sprechen: "Die WHO hatte durch ihre Entscheidung, die Pandemie auszurufen, die Schl?sselrolle. Sie entschieden ?ber Ausgaben im Gesundheitswesen in H?he in weltweit von 18 Milliarden Dollar. Die Firmen hatten sich vorbereitet. Sie warteten praktisch nur auf dieses Gesch?ft, weil die WHO eine neue Definition der Pandemie vorgenommen hat."

    Die Schweinegrippe - ein "viraler Gl?cksfall"
    Laut der neuen Definition kommt es nicht mehr so sehr darauf an, ob ein Virus t?dlich sein kann, sondern ob er sich rasend verbreitet. Das ist in Deutschland offensichtlich der Fall. Mehr als 217.000 H1N1-Infektionen hat das Robert-Koch-Institut bislang registriert, aber nur 189 Menschen sind daran gestorben. Ein ganz normaler saisonbedingter Grippeverlauf kostet j?hrlich etwa 10.000 Menschen das Leben. Wom?glich ist H1N1 ein "viraler Gl?cksfall", wird inzwischen in seri?sen Wissenschaftskreisen spekuliert, weil er die gef?hrlichere Saisongrippe verdr?ngt.

    Eine gigantische Verschwendung an Ressourcen
    Wom?glich ist das eigentliche Problem der vergangenen Jahre ja gar kein Virus, sondern die Angstkampagnen, die es ausl?sen kann - Schweinegrippe, Vogelgrippe, SARS. Der Seuchenexperte Professor Ulrich Keil von der Universit?t M?nster hat von all dem genug: "Keine Pandemie-Vorhersage ist eingetroffen. In Deutschland sterben aber jedes Jahr 360.000 Menschen an Herz-Kreislauferkrankungen, 210.000 sterben an Krebs, 500 an Aids. An Vogelgrippe oder SARS ist nicht einer gestorben. Was wie hier erleben ist eine gigantische Verschwendung an Ressourcen im internationalen Gesundheitswesen", sagt der Mediziner.

    Audiofile des Tagesschau-Beitrags:
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